„Alternative zu berühmten Festivals“
Fabrizio Ventura hofft auf eine Fortsetzung von „Musica Sacra“ in zwei Jahren
„Wir sind noch im Rausch dieses Festivals“, schwärmt Münsters Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura, nachdem am Ostermontag die Reihe „Musica Sacra“ glanzvoll zu Ende gegangen ist. „Die Kirchen waren voll, mehrere Konzerte waren ausverkauft. Und was mich besonders freut: Ich habe im Publikum Leute erlebt, die zu jeder Veranstaltung gekommen sind und vor Freude strahlten.“
Von Harald Suerland
Ventura, der als Dirigent im Festival den Auftakt mit Dvoraks „Stabat Mater“, das Sinfoniekonzert und die abschließende Oper „Nabucco“ leitete, sieht vor allem drei Gründe für den Erfolg des Festivals. „Erstens war die Klasse der Veranstaltungen ganz hoch: Im Bereich Orgelmusik etwa hätte man nichts Besseres bieten können.“ Ebenso gelungen findet er die Formel „Musica Sacra“ für ein Musikfest, das genau nach Münster passt, weil es aufgreift, was Münster geschichtlich prägt, und weil es ein Programm geboten hat, das zu den besonderen Gefühlen der Menschen in der Karwoche und der Osterzeit passt. „Und drittens ist es der Reichtum, den wir versucht haben darzubieten: Vom Jazz bis zur Oper wurde alle Facetten mit der Thematik der Sakralmusik dargeboten.“ Bemerkenswert am Publikumserfolg findet Fabrizio Ventura nicht nur, dass der Zuspruch trotz österlicher Urlaubszeit so groß war, sondern auch, dass die Anziehungskraft der Aufführungen weit über Münster hinausging. „Ich war sehr erfreut, Leute von außerhalb zu treffen. Es gibt ja auch Musikfreunde, die den Künstlern nachreisen, etwa dem Hilliard-Ensemble oder dem Star-Cellisten Daniel Müller-Schott.“ So könnte sich Musica Sacra in der Zukunft als Festival mit überregionaler Anziehungskraft etablieren. Und damit denkt Ventura sogar an eine Alternative zu berühmten österlichen Festivals etwa in Luzern oder Salzburg, deren Eintrittskarten sich ohnehin nicht jeder leisten kann. Steht denn schon fest, dass es weitergeht? „Mein Wunsch ist es, das Festival in zwei Jahren zu wiederholen“, sagt Ventura. Für eine Wiederholung schon im kommenden Jahr wäre der Planungszeitraum wohl zu knapp. „Wir wollten sehen, wie sich das entwickelt, und ein solches Projekt kann man natürlich nicht von heute auf morgen organisieren.“ So seien die prominenten Künstler, die das Festival mit prägten, oft schon für zwei Jahre verplant. Allerdings möchte Ventura nicht nur auf die Stars setzen, sondern auch den heimischen Kräften des Münsterlandes Gelegenheit geben, sich beim Festival zu präsentieren. Und lobt nicht ganz ohne Hintersinn sein eigenes Orchester: „Ihm muss ich ein großes Kompliment aussprechen, dass es nach der schweren Benjamin-Britten-Premiere so tolle Aufführungen im Festival geleistet hat.“ Für die inhaltliche Ausrichtung zukünftiger Festivals hat Fabrizio Ventura schon einige Ideen: So möchte der Generalmusikdirektor noch deutlicher zeigen, dass das Thema sakrale Musik weit über die katholische und christliche Tradition hinausführt. Der Akzent, den er mit Blochs „Schelomo“ und Verdis „Nabucco“ setzte, soll noch weiter, etwa Richtung Islam oder fernöstlicher Sakralmusik führen. Was er da konkret im Sinn hat, möchte Ventura allerdings jetzt noch nicht verraten. „Wissen Sie: Man muss ja 200 Ideen haben, um 100 umzusetzen.“
Westfälische Nachrichten, 13.04. 2012
